|
Mit dampfendem Kessel durch die Miniaturlandschaft
WORMS: Erster öffentlicher Fahrtag auf Anlage der Wormser N-Bahn-Freunde am Wochenende – Rund ein Jahr Bauzeit
Vom 15.10.2005 4 Die Fahrt geht vorbei an Feldern, weidenden Kühen, vorbei an Badeseen, Wäldern, am Landstreicher unter der Brücke, Schranken schließen sich, Signale geben den Weg frei, Dampf zischt. Der Zug, aus dem diese Bilder auf die Leinwand übertragen werden, ist eine N-Lokomotive im Maßstab 1:160. Die Landschaft, die sie auf 28 Metern Schienenlänge – real 4,5 Kilometer – durchquert, wurde in unzähligen Arbeitsstunden gebastelt. Erleben kann sie der Eisenbahn-Fan heute und morgen von 10 bis 18 Uhr im Saal des Gasthofs Zur Krone in Worms-Herrnsheim.
Es sei die erste Präsentation in der Öffentlichkeit, erzählt Thomas Enders. Der „zusammengewürfelte Haufen“ N-Bahn Fans bange ein wenig, denn noch nie waren Züge und Anlage so stark beansprucht wie in den kommenden beiden Tagen. Aber die 23 Männer sind stolz auf ihre digitale N-Bahn-Strecke. „Jeder hat am Anfang abgeraten, das würde nie funktionieren, hieß es“, erinnert sich Enders. „Wir hatten auch stellenweise große Probleme, dass wir die Anlage so in Betrieb nehmen können, darauf sind wir stolz.“ Wie in einem Stellwerk kann der Zuschauer zu jedem Zeitpunkt die Position des Zuges verfolgen. Von der Geschwindigkeit, die maßstabsgetreu in Zentimetern pro Sekunde der realen entspricht, den Schranken, Signalen, Lichtern werden alle Funktionen digital über den Computer gesteuert. Der Wormser Hauptbahnhof sei derzeit im Bau, den Pfeddersheimer Bahnhof der 70er Jahre hat Enders in seinem Modul nachgebaut. Jedes dieser Module ist 90 Zentimeter lang, die Kopfstücke und Schienenlage haben die Freunde festgelegt. Da gibt es etwa den Zirkus Krone, mit dem Manfred Thon seine Freunde überrascht hat. Unzählige Fotos während des Wormser Gastspiels waren seine Vorlage.
Wie jede N-Bahner-Familie mithilft, hat seine Frau die Zelte genäht, Figuren angemalt. Drahtseil, Zirkuswagen, Käfige – jedes Stück musste er aus Holz oder Draht basteln. Jetzt ist sein Streckenabschnitt fertig. Es werden aber immer wieder neue Module entstehen. „Wir wollen ja nicht immer die gleiche Anlage zeigen“, sagt Enders. Es ist ein Hobby, in dem viel Geld und Zeit stecken, das aber, bestätigt jeder N-Bahner, Ausgleich vom Beruf und Entspannung bedeute „Es gibt ja glücklicherweise Pinzetten und Lupen“, lacht Thon.
|
|
|
Detailverliebt: Bis kurz vo der heutigen Premiere werkelten die Wormser N-Bahn-Freunde eifrig an ihrer Anlage. -FOTO: BARANENKO
|
|
Bislang sind die N-Bahn-Freunde nur eine lose Interessengemeinschaft, die sich im Vierwochenturnus trifft. Aus rechtlichen Gründen überlegen sie eine Vereinsgründung. Vor fünf Jahren hat Enders die erste Kontaktaufnahme gestartet, der große Zulauf kam in den vergangenen zwei Jahren aus der Region zwischen Heidelberg, Rüsselsheim und Winnweiler. Zwei Eisenbahner seien dabei, darunter der junge Beindersheimer BASF-Eisenbahner Markus Ohlinger – ein Mann der ersten Stunde. Natürlich soll zwar en miniature, aber echt sein. Wer mitmachen will, muss vor allem Liebe zur N-Bahn mitbringen. Alles andere lernt er bei den N-Bahn-Freunden, denn hier, bestätigt Thomas Enders, hilft jeder jedem. Informationen gibt es im Internet unter www-nbf-worms.de. (cei)
|
|