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Es ist 6:15 Uhr morgens und es ist noch dunkel und kalt. Doch an der Wormser Rheinbrücke bildet sich eine immer größer werdende Gruppe von Männern, die man in der Dunkelheit kaum erkennen kann. Diese Männer haben eines gemeinsam, denn es ist der 7. November 2005 und heute ist für die N-Bahn Freunde Worms die Werksbesichtigung bei der Firma Trix in Nürnberg angesagt.
Da ist er endlich, der Bus, gefahren von Michael Jeblick einem Mitglied der N-Bahn Freunde Worms. Jetzt geht’s los, alle Teilnehmer sind aufgeregt wie kleine Schulkinder bei ihrem ersten Schulausflug. An der Aussage, das Kind im Manne scheint doch etwas dran zu sein, wenn man diesen Haufen von ‚Kindern’ reden hört.
Die drei Stunden Busfahrt vergehen wie im Fluge, es gibt ja viel zu erzählen, natürlich alles um das Thema Modellbahn in N. Etwas Wehmut kommt bei allen Teilnehmern auf, als wir gegen 10:00 am Nürnberger Eisenbahn Museum vorbeifahren und im Tageslicht den Schaden des Großfeuers, das einen erheblichen Teil der Loks des Museums vor einigen Wochen zerstört hat, erkennen können.
Doch dann sind wir da, ein zweistöckiges Industriegebäude mit Flachdach. Kein großes Logo in grün auf dem Dach, nur ein kleines Messingschild am Eingang der Firma Trix in Nürnberg. Wir schauen uns fragend an, sind wir hier richtig? Aber da geht schon die Tür auf und ein Mitarbeiter der Firma Trix fragt uns, ob wir die Modellbahner aus Worms sind?
Natürlich sind wir das und jetzt gibt es kein halten mehr, alles aussteigen, den Bus parken und dann ab zur Werksbesichtigung. Leider dürfen wir in den Produktionsstätten nicht fotografieren, so dass sich die Bilddokumentation auf die Aktivitäten vor und nach der Werksbesichtigung erstreckt.
Wir werden in zwei Gruppen aufgeteilt, weil wir mit 20 Personen zu groß für eine Führung sind. Wir alle sind sehr angetan von der großen Gastfreundschaft und der Begeisterung mit der uns die Trix Mitarbeiter ihr Werk zu zeigen. Sofort entsteht dadurch eine sehr freundschaftliche und entspannte Atmosphäre.
Während der einen Gruppe die Produktion gezeigt wird geht die andere Gruppe in die Lackiererei und danach wird dann gewechselt.
In der Produktion werden uns die vielen notwendigen einzelnen Arbeitsschritte für eine Lok am Beispiel des neusten BR 18 Modells der Firma Trix gezeigt. Das ist hohe Präzisionsarbeit im Akkord, deshalb werden diese Arbeiten vor allem von Frauen ausgeführt. Hier kommt einem wirklich die Frage auf, warum nicht mehr Frauen mit der Modellbahn, insbesondere der Spur N, spielen. Sie haben wirklich mehr Gefühl und Geschick für die feinen filigranen Modelle. Es ist beeindruckend mit welchem Geschick die Modelle zusammengesetzt werden. Meistens sind 60 oder mehr Arbeitsgänge erforderlich bis eine Lok zusammengebaut ist. Zum Schluss dann noch der Fahrtest. Es ist ein Schienenkreis aufgebaut, der alle Schienen der Firma Trix, also Geraden, Kurven, Weichen und Doppelkreuzweichen beinhaltet, damit die Lok auf allen Schienen gestestet werden kann. Dann wird die Lok aufgegleist und los geht’s. Alle Kurventypen und S-Kurven werden durchfahren. Wie verhält sich die Lok auf den Weichen- und Kreuzungsfeldern, fährt sie einwandfrei, ruckelt oder wackelt sie nicht. Da, sie hängt an einer Doppelkreuzungsweiche, die Trix Mitarbeiterin holt die BR 18 von der DKW, justiert das Gestänge ein wenig, setzt sie wieder vor der DKW auf und diesmal passiert die Lok das Weichenfeld ohne Beanstandungen. Nun kommt die nächste Lok an die Reihe. Wir finden diese Art von Spielen mit der Modellbahn toll und faszinierend. Die Trix Mitarbeiterin kann das allerdings nicht so ganz nachvollziehen, was man verstehen kann, wenn man Jahr ein Jahr aus jeden Tag von morgens bis abends dasselbe tut wird das Ganze schnell langweilig.
Nun wird gewechselt, es geht ab in die Lackiererei. Sofort fällt einem der Geruch nach Lösungsmitteln auf. Man erklärt uns, dass man inzwischen fast ausschließlich mit wasserlöslichen Farben ohne Lösungsmittel arbeitet, aber das Bisschen was wir jetzt riechen fällt uns doch auf. Früher muss das extrem gewesen sein.
An drei großen Kammern mit einer starken Entlüftung, ähnlich einer Dunstabzugshaube, werden hier die Modelle in der entsprechenden Farbgebung eingefärbt. Schablonen verhindern hier, dass die Farbe auf Bereiche des Gehäuses gelangt, das in einer anderen Farbe besprüht werden soll. Das heißt, ein Arbeitsgang alle Rohlinge werden zum Beispiel rund herum an den Seiten in rot gespritzt. Das Dach ist durch eine Schablone abgedeckt. Dann werden die Seitenteile durch Schablonen abgedeckt und das Dach wird dann silbern lackiert. Die feinen und filigranen Beschriftungen werden dann im Tampondruck aufgetragen. Das ist so ähnlich wie bei einem Stempel. Allerdings wird die zu druckende Form nicht auf die Gummifläche geprägt, sondern die Druckform befindet sich auf einer Platte, die Vertiefungen hat, die im µ-Bereich (sprich Mü- Bereich) gemessen werden. Der Gummitampon wird auf die Fläche gedrückt und nimmt die Farbe aus den Vertiefungen und druckt sie dann auf den Wagen oder die Lok. Für jede Farbe ist ein neuer Druckvorgang erforderlich. Bis zu 7 Farben können, dann nach einander auf einen Wagen oder Lok gedruckt werde. Zwei Dinge sind noch interessant berichtet zur werden. An einer Druckstation wurden auf einen Tender die Schlusslichter aufgedruckt. Wir konnten auch erkennen wie zwei Drucke (weiß für Beleuchtung und gelb für ein winziges Rechteck) erfolgreich auf dem Tender dann zu sehen waren. Aber es gab noch einen dritten Druck in rot doch wir konnten nicht sehen wohin die rote Farbe gedruckt wurde. Bis uns dann ein Mitarbeiter darauf aufmerksam machte, dass das rot ein roter Blitz mit einer Größe von ca. 1,5 mm ist, der in das gelbe Rechteck gedruckt wird. Wahnsinnig winzig das Ganze aber absolut exakt und präzise. Das zweite Interessante war die Bedruckung von Weihnachtswagen mit den vielen verschiedenen Schritten und der Farbgebung – leider in Z. Und nachdem wir alles gesehen haben geht es dann ab in die Trix ‚Fundgrube’, einem Schnäppchen-Shop, und da gib es dann auch kein halten mehr bei vielen von uns. Irgendwie bricht eine Kaufepidemie aus, die fast jeden ansteckt. Der Umsatz für Trix geht dann auch in einen vierstelligen Euro-Bereich. Aber es sind ja auch wirklich ein paar super Schnäppchen und Einzelstücke dabei.
Nur mit aller größter Mühe gelingt es uns einige Schwerstinfizierte wieder in den Bus zu bekommen, denn der Tag ist noch nicht zu Ende. Unser N-Bahn Kollege Bernd Schmitz hat noch mehrere Tische im ‚Bratwurst-Röslein’ in der Stadtmitte von Nürnberg reserviert, wo wir dann noch zünftig nach Nürnberger-Art zu Mittag essen.
Dann geht es müde aber sehr zufrieden auf den Rückweg nach Worms, wo wir abends noch unseren Stammtisch der N-Bahn Freunde Worms haben werden.
Es ist ein sehr erfolgreicher und in allen Belangen interessanter Tag für alle Beteiligten gewesen, über den auch noch Wochen später gesprochen wurde.
Unser besonderer Dank gilt allen Mitarbeitern des Trix Werkes in Nürnberg, die sich trotz der Akkordarbeit immer wieder Zeit genommen haben uns Arbeitsabläufe zu erklären. Jedes Trix Modell wird uns an den Besuch und an die freundlichen Mitarbeiter erinnern und viele von uns haben inzwischen auch mehr Verständnis dafür, was eine Lok kosten kann, wenn man den Arbeitsaufwand dahinter sieht.
Danke Trix und allen Mitarbeitern,
Danke Michael Jeblick für das Fahren des Busses und
Danke Bernd Schmitz für das Essen beim Bratwurst-Röslein.
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